Meereisbojen unterstützen das Projekt „Year of Polar Prediction“ (YOPP)

19. Mai 2017

Am 15. Mai ist die Forschungsinitiative „Year of Polar Prediction“ („Jahr der Polaren Vorhersagen“,  kurz: YOPP) der Weltorganisation für Meteorologie (WMO) in die intensive Beobachtungsphase übergegangen. Diese Phase, dessen Koordination dem Alfred-Wegener-Institut Helmholtz-Zentrum für Polar- und Meeresforschung in Bremerhaven obliegt, wird für die nächsten zwei Jahre andauern.

Ziel der Forschungsinitiative ist es, die Wetter-, Eis- und Klimavorhersagen insbesondere für die Polargebiete zu verbessern. Die mit zunehmender menschlicher Nutzung (z.B. Schiffsverkehr, Fischerei, Tourismus, Ressourcengewinnung) einhergehenden Umweltrisiken, wie beispielsweise Ölkatastrophen, sollen auf diese Weise deutlich verringert werden. Wesentliche Elemente dieser Initiative sind umfangreiche Messkampagnen mit dem Ziel, die Modellrechnungen und Vorhersagen von Klimaveränderungen in den Polargebieten zu verbessern, und somit mögliche Wetterauswirkungen auch auf die niedrigen Breiten vorhersagen zu können. Denn die Veränderungen an den Polen können die globalen Meeres- und Windzirkulationen verändern, sowie Extremwetterereignisse in den niedrigen Breiten verursachen. Die Vorhersagemöglichkeiten insbesondere für die Polarregionen sind heutzutage noch sehr eingeschränkt, da das Netz von Wetterstationen und weiteren Messinstrumenten dort sehr eingeschränkt ist. Diese Lücken sollen nun mithilfe der Messkampagnen im Rahmen der Beobachtungsphase von YOPP gefüllt werden, um Vorhersagedienste und Modelle „zu füttern“. Diese Tätigkeiten beinhalten vor allem die vermehrte Nutzung von Wetterballons und Messbojen, die Installation von Wetterstationen, sowie häufigere Messungen per Forschungsflugzeug und per Satellit.

Auf dem Meereis der Arktis und Antarktis installierte Messsysteme, sogenannte Lagrangesche Bojen,  spielen eine besonders wichtige Rolle für die Wettervorhersagen der Polargebiete. Sie messen beispielsweise den Luftdruck und die Lufttemperatur über den polaren Ozeanen, und übermitteln diese Daten zusammen mit der GPS Position innerhalb weniger Minuten in das Globale Telekommunikations-System (GTS) der WMO. Von dort aus sind diese Messungen dann für jedermann frei zugänglich, wovon vor allem die Vorhersagemodelle der verschiedenen Wetterdienste und meteorologischen Organisationen profitieren.

Aber auch über diesen Einsatzzweck hinaus leisten die meereisbasierten Bojen einen wichtigen Beitrag zum Verständnis des polaren Klimasystems. Mit ihrer Hilfe werden auch die Entwicklungen und insbesondere die Veränderungen des Meereises im Zusammenspiel mit Atmosphären- und Ozeaneigenschaften dokumentiert, wodurch sich ein besseres Gesamtbild dieses Systems ergibt.
Häufig eingesetzte Meereisbojen sind beispielsweise die recht einfachen GPS-Drifter (auch als „Surface Velocity Profiler“ bezeichnet), oder die komplexeren Schnee- oder Meereismassenbilanz-Bojen, die neben meteorologischen Größen auch kontinuierlich die Meereis- und Schneedicke messen.  Diese Instrumente stellen eine ideale Ergänzung zu den Beobachtungen von Satelliten dar, deren Messungen sich auf eine festgelegte Fläche fokussieren und somit eine hohe räumliche Abdeckung vorweisen. Daten dieser Bojen werden auch über meereisportal.de zur Verfügung gestellt. Hier können auch die Drifttrajektorien sowie die individuellen Messgrößen eingesehen und heruntergeladen werden.  
Weitere Informationen zum YOPP Projekt werden vom WMO und vom AWI online zur Verfügung gestellt und können auf dem folgenden Links gefunden werden.

POLAR PREDICTION PROJECT

AWI Bericht zum Thema


Ansprechpartner:

Dr. Mario Hoppmann (Alfred-Wegener-Institut)

Dr. Marcel Nicolaus (Alfred-Wegener-Institut)

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info(at)meereisportal.de