Unterwasser-Tauchroboter in Bremerhaven

21. April 2017

Im letzten Jahr hat sich das Alfred-Wegener-Institut Helmholtz-Zentrum für Polar- und Meereisforschung ein neues ROV für Messungen unter Meereis zugelegt, ein sogenanntes Remotely Operated Vehicle (dt.: ferngesteuertes Fahrzeug). Jetzt befindet es sich zum ersten Mal für Tests und weitere Entwicklungen in Bremerhaven und wurde bei einem kleinen Empfang den Kolleginnen und Kollegen aus unterschiedlichen Bereichen vorgestellt. In diesem Zusammenhang führte meereisportal.de ein Interview mit Dr. Marcel Nicolaus, Experte für Meereis am AWI Bremerhaven, der mit dem ROV bereits in der Arktis arbeiten konnte.

meereisportal.de: Dr. Nicolaus, erst einmal: Was ist ein ROV und wofür wird es eingesetzt?

M. N.: Ein ROV ist ein Unterwasser-Tauchroboter, der an einem Kabel befestigt von einer Kontrollstation auf dem Meereis gesteuert wird. Wir setzen es für Arbeiten unter dem Meereis ein. Der Vorteil ist, dass wir das Meereis für unsere Messungen nicht zerstören wollen. Zudem wären viele Messungen per Hand sehr viel aufwendiger, wenn überhaupt möglich, als mit einem ROV unter dem Eis zu fahren.

meereisportal.de: Was macht das neue ROV besser als die vorherigen, die benutzt wurden?

M. N.: Wichtigster Punkt ist hierbei, dass wir nun unser eigenes ROV-System haben. Bisher waren wir nur mit geliehenen Systemen unterwegs. Wir arbeiten mit solchen ROVs seit 2011 unter dem Meereis in der Arktis und der Antarktis. Über die vergangenen Jahre haben wir gelernt, wie wichtig es ist, dass wir alle Dinge zur gleichen Zeit messen; dass man nicht unterschiedliche Messungen von verschiedenen Parametern auf mehreren Plattformen macht, sondern dass es am besten ist, dass man alles auf der gleichen Plattform zur gleichen Zeit erfasst. Durch unser FRAM Infrastrukturprogramm bekommen wir jetzt die Möglichkeit ein ROV-System entsprechend unserer Bedürfnisse anzuschaffen und in den kommenden Jahren exakt anzupassen und weiterzuentwickeln.

meereisportal.de: Was genau misst das ROV?

M. N.: Wir messen mit dem ROV verschiedene Eigenschaften des Meereises und des Ozeans. Wir erfassen zum Beispiel, wieviel Licht durch das Meereis gelangt. Das hängt unter anderem auch davon ab, wieviel Schnee darauf liegt. Wir messen die Topographie, also die Unterseitenstruktur des Meereises. Daran sehen wir, wie dick das Eis ist. Wir messen den Salzgehalt und die Temperatur des Ozeans sowie verschiedene weitere physikalische, biologische oder geochemische Parameter. Daraus erhalten wir  Informationen über das Ökosystem, beispielsweise wieviel Algen unter dem Meereis leben.

meereisportal.de: Wie sieht denn so ein typischer Arbeitsalltag mit dem ROV aus?

M. N.: Wir fahren mit einem Eisbrecher-Forschungsschiff, meist mit der „Polarstern“, an die Eiskante heran und brauchen ungefähr zwei Stunden um das ROV auf dem Eis aufzubauen: Wir müssen ein großes Loch in das Eis sägen, durch das das ROV später abtauchen kann, und den Kontrollstand aufzubauen. Danach fahren wir meist vier bis sechs Stunden unter dem Eis, um die Messungen durchzuführen. Hinterher bauen wir das ROV wieder ab und führen einige Messungen an der Eisoberseite durch. So brauchen wir nochmal eine bis anderthalb Stunden, um wieder alles an Bord zu schaffen. Dort werden die Daten dann weiter dokumentiert und ausgewertet.

meereisportal.de: Welche Pläne sind für die Zukunft angedacht, insbesondere auch mit dem ROV?

M. N.: Die nächste Expedition startet Mitte Mai in die Arktis. Allgemein untersuchen wir das Meereis beider Polgebiete mit dem ROV, um die räumliche Verteilung der gemessenen Parameter erfassen zu können. Wir gehen aber auch immer mehr dazu über, dass wir die Messungen nicht nur an einem Tag an einer Station machen, sondern über ein ganzes Jahr hinweg, indem wir die Messungen wöchentlich wiederholen. So erhalten wir neben der räumlichen auch eine zeitliche Information und können sehen, wie sich die Eigenschaften vor Ort über die Zeit verändern. Entsprechend wird das ROV eine zentrale Rolle bei der MOSAiC Drift von der Polarstern im 2019/20 spielen, wenn das Meereis und der Ozean über ein komplettes Jahr an einer Eisscholle untersucht werden können.

meereisportal.de: Vielen Dank für das Interview und viel Erfolg für die Arbeit mit dem neuen ROV!

Ansprechpartner:

Dr. Marcel Nicolaus (Alfred-Wegener-Institut)

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