Weiterhin geringe arktische Meereisausdehnung nach warmem Januar 2017

10. Februar 2017

Während sich die Meereisausdehnung in der Arktis langsam der jährlichen maximalen Ausdehnung im Winter nähert, bewegt sich ihr Gesamtwert weiterhin am unteren Rand der für die letzten 35 Jahre beobachten Werte. Sie ist zwar gering, liegt aber mittlerweile wieder nahe der Werte von 2016 und nahe dem Bereich von zwei Standardabweichungen des Mittelwertes (siehe Abbildung 1).

Im Januar 2017 setzten sich die geringen Werte der arktischen Meereisausdehnung überwiegend fort, insbesondere in der Karasee, Barentssee und im Beringmeer. Die mittlere arktische Meereisausdehnung lag im Januar 2017 bei etwa 13,19 Mio. km2 (siehe Abbildung 2). Dies ist die geringste Ausdehnung seit es Satellitenmessungen gibt. Sie liegt ungefähr gleich niedrig wie in den Jahren 2011 und 2006 mit jeweils ungefähr 13,4 Mio. km² (siehe Abbildung 3). Dies sind 1,21 Mio. km2 weniger als das Langzeitmittel von Januar 1981 bis 2010.

Das Wachstum von Meereis stagnierte in der zweiten Woche des Monats und die Eiskante zog sich in der Kara- und Barentssee sowie im Ochotskisches Meer zurück. Obwohl sich das Meereis nach dem 16. Januar schnell ausdehnte, lag die Wachstumsrate des Meereises unter dem gesamten Durchschnitt für Januar (siehe Abbildung 4). Vermutlich aufgrund des Zuflusses von warmem atlantischen Wasser westlich von Spitzbergen blieb die Eiskante im Januar überwiegend nördlich von Spitzbergen (siehe Abbildung 5). Jedoch gab es ab Ende Januar auch nordöstlich und –westlich von Spitzbergen Eis. Ende Januar blieb die Meereisausdehnung in der Karasee,  Barentssee und im Beringsee unter dem langjährigen Durchschnitt.

Die Lufttemperatur bei 925 hPa lag im Januar über dem gesamten Arktischen Ozean über dem langjährigen Durchschnitt und setzte das Muster mit Beginn im vorhergehenden Herbst fort (Abbildung 6). Die Lufttemperatur betrug 5 °C mehr als der Durchschnitt von 1982 bis 2010 in der nördlichen Barentssee und 4 °C mehr als der Durchschnitt in der nördlichen  Tschuktschensee und der Ostsibirischen See. Außerdem war es ungewöhnlich warm im Nordwesten Kanadas. Kühler als die Durchschnittsverhältnisse (bis zu 3 °C unter dem Durchschnitt) war es im Nordwesten Russlands und an der nordöstlichen Küste Grönlands. Die Temperaturzeitreihe in Ny-Ålesund zeigt seit Anfang Januar 2017 Temperaturwerte im Bereich des langjährigen Mittelwertes (siehe Abbildung 7). Darüber hinaus war die Atmosphäre der Arktis im Januar sehr feucht (siehe Abbildung 8).

Während der ersten drei Wochen im Januar war die atmosphärische Zirkulation über der Arktis von einem weiten Gebiet mit unterdurchschnittlichem Luftdruck auf Meereshöhe über fast dem gesamten Arktischen Ozean geprägt. Ein überdurchschnittlicher Luftdruck auf Meereshöhe dominierte über dem Golf von Alaska und dem Nordatlantischen Ozean südlich von Island (siehe Abbildung 5). Dies sorgte für warme Südwinde vom nördlichen Nordatlantik und der Beringstraße, wodurch teilweise die hohen Lufttemperaturen über dem Arktischen Ozean im Januar zu erklären sind.  Der Winter 2015/2016 war der wärmste Winter, der seit Beginn der Satellitendatenerfassung in der Arktis aufgezeichnet wurde. Ob der Winter 2016 bis 2017 am Ende noch wärmer gewesen sein wird, lässt sich zum jetzigen Zeitpunkt noch nicht sagen, die atmosphärischen Bedingungen sind typischerweise sehr variabel. So bewegte sich beispielsweise das Tiefdruckgebiet während der letzten Woche des Januars in Richtung Sibirien. In der nördlichen Laptewsee fiel der Druck zu mehr als 20 hPa unter den langjährigen Durchschnitt von 1981 bis 2010. Dies steht im Zusammenhang mit einer Verschiebung zu kälterer Bedingungen über dem Arktischen Ozean, welche erklären kann, warum das Meereis gegen Ende des Monats angewachsen ist.

Ende Februar bis Anfang März wird das Maximum der winterlichen Meereisausdehnung in der Arktis erwartet und geht dann langsam in das Frühjahr über. Erst dann ist es möglich, eine Bilanz der diesjährigen Gefrierperiode in der Arktis zu ziehen.

Ansprechpartner:

Prof. Dr. Christian Haas; Dr. Marcel Nicolaus; Dr. Monica Ionita-Scholz (AWI)

Dr. Gunnar Spreen and Dr. Georg Heygster (Universität Bremen)

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